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Psychologie des Euro

Anke Müller-Peters

Die Einführung des Euro im Rahmen der westeuropäischen Währungsunion ist bislang vorwiegend unter volkswirtschaftlicher bzw. finanzwissenschaftlicher Perspektive untersucht worden, während die Bedeutung psychologischer Gesichtspunkte zwar weitgehend erkannt wurde, gleichwohl aber als nicht analysierbar erschien.Die vorliegende Arbeit entstammt einem europaweitem Forschungsprojekt, in dem vor Einführung des Euro nationenübergreifend die Einstellung der Bevölkerung zur europäischen Währungsunion untersucht wurde. Es geht in der vorliegenden Arbeit um die differenzialanalytische Frage, inwieweit - stellvertretend für beliebige andere europäische Integrationsprozesse - nationale Identitäten einer Akzeptanz europäischer Institutionen im Wege stehen. Dabei konzentriert sich die Autorin in exemplarischer Weise auf eine vergleichende Analyse der Stichproben aus England, Frankreich und Deutschland. Das Anliegen dieser Publikation geht also über die bloß beschreibende Analyse von Einstellungswerten hinaus. Es könnte sich beispielsweise zeigen, dass hinter gleichen Einstellungswerten gegenüber dem Euro ganz unterschiedliche Motivationen und (perzipierte) Problemlagen aufzufinden sind. Auch könnten die Einstellungen unterschiedlich stabil sein und zwischen kognitiven und emotiven Anteilen unterschiedliche Gewichtungen aufweisen.Der Ländervergleich zeigt eine Reihe interessanter Ergebnisse. Die Deutschen sind z.B. außerordentlich stolz auf die DM, ohne daß dieser Stolz unmittelbar ein wesentlicher Grund für ihre distanzierte Haltung zur Einführung des Euro darstellt. Als spezifisch britische Ergebnisse seien erwähnt: der besondere Stolz auf die nationalen Errungenschaften der britischen Geschichte, die geringere Ausprägung der europäischen Identifikation, die perzipierte Wichtigkeit, nationale Eigenheiten und Souveränität zu bewahren. Als spezifisch französische Ergebnisse seien herausgegriffen: der Nationalstolz bezieht sich eher auf die Sprache, weniger auf den Franc. Obgleich den Franzosen kulturelle Offenheit attestiert werden muss, ist das Bedürfnis nach nationaler Distinktheit zu Ländern wie USA und Japan deutlich und zudem durch konkrete nationale Interessen mitdefiniert. Franzosen sehen dennoch keinen Widerspruch zwischen nationaler und europäischer Identifikation; beide korrelieren bei ihnen positiv. Im übrigen ist es ein Vergnügen, diese Arbeit zu lesen, auch für denjenigen, der an der Thematik des Euro kaum Interesse hat, weil sie außerordentlich interessante Aspekte des Kulturvergleichs impliziert, die auch abgelöst vom Gegenstandsbereich genügend Stoff für weitere psychologische, ökonomische und politische Überlegungen bieten.   

Herausgeber Pabst Science Publishers


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