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Metaphern des Selbst. Wie Sprache, Umwelt und Selbstkognition zusammenhängen

Karin S. Moser

Ausbildung des Selbstkonzeptes
In der sozialpsychologischen Forschung ist seit langem bekannt, dass sich das Selbstkonzept in der Interaktion mit der sozialen und physischen Umwelt herausbildet und ständig weiterentwickelt. Die Untersuchung geht davon aus, dass für das Selbstkonzept nicht nur situative Kontexte, wichtige Bezugspersonen und die physisch-dingliche Umwelt relevant sind. Menschliches Wahrnehmen, Denken und Handeln findet darüber hinaus immer auch in einem kulturell und historisch bestimmten Bedeutungsraum statt, der jede Wahrnehmung und jede Handlung mitprägt. Dieser Bedeutungsraum wird hier als symbolische Umwelt bezeichnet und gleichberechtigt neben die soziale und physische Umwelt gestellt. Erst über die symbolische Umwelt werden die Selbst-Umwelt-Bezüge sinnvoll und damit handlungsrelevant.
Die Sprache ist eine der wichtigsten symbolischen Umwelten, denn in der Sprache sind Alltagstheorien und implizites Wissen gespeichert, die für sinnvolles Wahrnehmen, Erleben und Handeln unerlässlich sind. Die Untersuchung zeigt auf, dass die Analyse von Metaphern besonders geeinget ist für den empirischen Zugang zu dieser symbolischen Umwelt des Selbst. Die Bildung und Verwendung von Metaphern stellt eine der wichtigsten kognitiven Strategien dar, wie abstraktes und komplexes Wissen repräsentiert und erworben werden kann. Dies gilt insbesondere für das Selbstkonzept, das nur über metaphorischen Repräsentationen überhaupt der Wahrnehmung, Reflexion und Kommunikation zugänglich gemacht werden kann.
Die Ergebnisse zeigen, dass abhängig von den Selbstkonzeptaspekten und einer Reihe von sozialen Variablen ganz bestimmte Metaphernmodelle bevorzugt und andere vernachlässigt werden. Ebenso zeigt sich eine individuelle Tendenz, habituell bestimmte Metaphernmodelle kontextunabhängig zu bevorzugen. Die Konsequenzen dieser Ergebnisse für Theorie und Methodik der Selbstkonzeptforschung werden diskutiert, ebenso wie ihre Relevanz für die Funktion von Metaphern als Mind Settings, für das automatisierte Handeln, für Antizipationsprozesse und für verteilte Repräsentationen in der künstlichen Intelligenz. Neben der Selbstkonzeptforschung sind Kommunikationsforschung, komplexes Problemlösen, Wissensmanagement, Wissenskooperation, Psychotherapieprozessforschung sowie kulturvergleichende Untersuchungen wichtige Anwendungsfelder der Metaphernanalyse. 

Herausgeber Pabst Science Publishers


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